Freitag, 22. Februar 2013

Organspender-Ausweis? Na klar! - November 2011


Leben geben. Organspende

Wo es gerade im Hamburg Journal ein Thema ist: Ich hab seit vielen Jahren einen Organspende-Ausweis. Ich wünsche mir, dass viele andere Menschen auch einen haben - und genauso wünsche ich mir, dass alle, die noch keinen haben, einmal darüber nachdenken.
Leider ist es ja noch immer so, dass man sich positiv dafür entscheiden muss, ein Organspender zu sein. In Ländern mit Widerspruchsregelung gibt es viel kürzere Wartezeiten auf ein neues Herz, eine Niere, einen Lungenflügel oder Augenhornhaut.
Mal ehrlich: wenn man selbst (vielleicht bei einem Unfall) das Licht ausmacht, stört es doch nicht, wenn jemand anders durch eine Transplantation weiterleben kann oder nicht mehr zur Dialyse muss. Oder??? Ich glaub nicht an das Paradies, aber selbst wenn: ich glaube nicht, dass man eine Inventarliste mitbringen müsste, um hineinzukommen...
Mir sind bisher noch nicht viele Menschen begegnet, die durch eine Organspende besser - oder überhaupt - leben. Das muss daran liegen, dass zu wenige Menschen spenden. Einer ist mir ganz nachdrücklich in Erinnerung geblieben. Er hatte eine schwere Lungenkrankheit und konnte nur mit einem tragbaren Sauerstoffgerät unterwegs sein. Dieser Mann hätte sich als Schwerbehinderter zuhause hinsetzen und aufgeben können. Stattdessen ist er im Aussendienst als Anzeigenverkäufer unterwegs gewesen - in mehrfacher Hinsicht sehr herausfordernd. Nicht nur die körperliche Belastung, das Risiko von Infekten bei Kontakt mit vielen Menschen: er musste sich mit diesem komisch-schnorchelndem Sauerstoffgerät und den Schläuchen auch den Blicken seiner Kunden stellen. Dieser Mann hat mich mit Zähigkeit und Stehvermögen schwerst beeindruckt. Das letzte, was ich mal von ihm hörte, war die Nachricht, er habe eine Spenderlunge bekommen und wolle jetzt das Leben geniessen. Ich hoffe, hoffe sehr, dass es keine Abstoßung gab und dass er in die Karibik (oder an jeden anderen schönen Ort, den er sehen wollte) fliegen konnte.
Ich gebe zu, meine Wunsch-Todesart ist: fit und über 80 im Schlaf zu sterben. Aber da das Leben ja unberechenbar ist... Falls mich mal irgendwas erwischen sollte (ein LKW, ein herabstürzendes Klavier), und es bleibt irgendwas von mir übrig, was jemand anders brauchen kann: welcome.
Wer was von sich geben möchte, wenn er es selbst nicht mehr brauchen kann, hier der Link!