Das Wort der Motte - vom Verfall der Sprache
May 23 2012, 3:07 AM
Das ist jetzt keine neue Erkenntnis: Sprache ist einem stetigen Wandel unterworfen. Sie lebt und entwickelt sich. Diese Tatsache ist bekannt und akzeptiert. Nur, wie ist das jetzt so mit dem Internet? Wird da nicht alles noch schlimmer? Mich erreichte unlängst ein Newsletter mit dem lustigen Betreff vom "Word of Moth":
Datum: 21. Mai 2012 14:17
Betreff: Studie: Wie Word of Moth die Kauflaune beeinflusst
Betreff: Studie: Wie Word of Moth die Kauflaune beeinflusst
Das ist natürlich nur ein Flüchtigkeitsfehler, doch nach dem ersten Lachflash hat er mich auch etwas nachdenklich gemacht.
Inhalt ist so schnell "rausgerotzt", mal eben schnell geschrieben und ab - hochladen, freischalten, auf "send" klicken. Lektorat? Vier-Augen-Prinzip? Oft genug Fehlanzeige. Naja, und dann kommt sowas wie das "Wort der Motte" eben vor. Dem Absender mache ich keinen Vorwurf, denn er hat mich ja amüsiert, und das wirklich nachhaltig. Außerdem passieren Flüchtigkeitsfehler - das kommt einfach vor, selbst beim größten Pedanten.
Da kommen unweigerlich nostalgische Gedanken, wie war das noch vor wenigen Jahren: Meine wunderbare, etwas altmodische Mathe-Lehrerin (!) verteilte noch Punktabzüge für Rechtschreibfehler in Mathe-Klausuren. Heute kommt man auch anders voran.
Das "Wort der Motte" ist durchaus signifikant für eine neue Zeit. Ich kenne jüngere Menschen, die ohne Rechtschreibprüfung in Word oder Outlook nur unlesbares Zeug herunterschreiben können - und trotzdem Abitur und einen Hochschulabschluss vorweisen können. Sie arbeiten heute in Unternehmen, und sie kommunizieren mit ihresgleichen. Böse gesagt sind das Beinahe-Legastheniker, die sich keinen Deut um Schreibweisen oder Interpunktion scheren. Und häufig auch nicht um Grammatik. Auf Augenhöhe miteinander nehmen die Einäugigen gar nicht mehr wahr, dass sie Könige unter Blinden sind. Diejenigen, die mit dem Zweiten besser sehen (haha), werden immer weniger.
Schönheit und Vielfalt der Sprache bleibt auf der Strecke, beschleunigt von Tittitainment-Formaten im Nachmittags-TV der privaten Sendeanstalten, der ungefilterten, unlektorierten Content-Flut im Internet - ... Diese Entwicklung ist ein Stück Zeitgeist, und das lässt sich auch nicht aufhalten. Bei dem Druck, zügig Inhalte zu produzieren, unterlaufen jedem mal Fehler. Das einzige, was bleibt, ist ein leises Plädoyer: Lest mal wieder ein schönes Buch und lasst Euch die Worte auf der Zunge zergehen.
Etwa Siegfried Lenz. Er zaubert mit Sprache, malt Bilder im Kopf und entzündet die Phantasie. Oder den guten alten Thomas Mann und seine Buddenbrocks. Wer nicht über den Tod der alten Konsulin weint, der hat kein Herz. Marlen Haushofers eindrückliche "Wand". Gedichte von Storm... Oder zur akademischen Näherung der böse alte Wolf (Schneider) und seine Schelte gegen schlechte Schreiberlinge. Es gibt so wunderbare Dinge im Bücherregal zu entdecken. Lesen hilft. Es unterhält - und es bildet, wenn man das möchte.
Das "Wort der Motte" ist durchaus signifikant für eine neue Zeit. Ich kenne jüngere Menschen, die ohne Rechtschreibprüfung in Word oder Outlook nur unlesbares Zeug herunterschreiben können - und trotzdem Abitur und einen Hochschulabschluss vorweisen können. Sie arbeiten heute in Unternehmen, und sie kommunizieren mit ihresgleichen. Böse gesagt sind das Beinahe-Legastheniker, die sich keinen Deut um Schreibweisen oder Interpunktion scheren. Und häufig auch nicht um Grammatik. Auf Augenhöhe miteinander nehmen die Einäugigen gar nicht mehr wahr, dass sie Könige unter Blinden sind. Diejenigen, die mit dem Zweiten besser sehen (haha), werden immer weniger.
Schönheit und Vielfalt der Sprache bleibt auf der Strecke, beschleunigt von Tittitainment-Formaten im Nachmittags-TV der privaten Sendeanstalten, der ungefilterten, unlektorierten Content-Flut im Internet - ... Diese Entwicklung ist ein Stück Zeitgeist, und das lässt sich auch nicht aufhalten. Bei dem Druck, zügig Inhalte zu produzieren, unterlaufen jedem mal Fehler. Das einzige, was bleibt, ist ein leises Plädoyer: Lest mal wieder ein schönes Buch und lasst Euch die Worte auf der Zunge zergehen.
Etwa Siegfried Lenz. Er zaubert mit Sprache, malt Bilder im Kopf und entzündet die Phantasie. Oder den guten alten Thomas Mann und seine Buddenbrocks. Wer nicht über den Tod der alten Konsulin weint, der hat kein Herz. Marlen Haushofers eindrückliche "Wand". Gedichte von Storm... Oder zur akademischen Näherung der böse alte Wolf (Schneider) und seine Schelte gegen schlechte Schreiberlinge. Es gibt so wunderbare Dinge im Bücherregal zu entdecken. Lesen hilft. Es unterhält - und es bildet, wenn man das möchte.
Doch bei allem Kulturfrust bleibt eins: Der irre Lachflash über den Tippi im Betreff. Ich glaube, das "Wort der Motte" ist ein mächtiges - es beeinflusst die Kauflaune, aber es kann doch sicher noch mehr... Mich jedenfalls hat es dazu animiert, sinnlosen Käse mit dem Hashtag #DasWortderMotte zu twittern. Zeug aus dem Zusammenhang gerissen, bescheuerte Gedankenfetzen, böse Zitate - welch' Blödsinn auch immer mir durch's Hirn schiesst, und sich jeder vernünftigen Einordnung verweigert...
Quellen für andere "Worte der Motte":
http://www.bergerandwyse.com/blog/2012/2/6/word-of-moth.html
http://www.willert.com/word-of-moth-3/
http://www.timeout.com/newyork/books/word-of-moth
http://www.bergerandwyse.com/blog/2012/2/6/word-of-moth.html
http://www.willert.com/word-of-moth-3/
http://www.timeout.com/newyork/books/word-of-moth