Der Papst ist da.
September 22 2011, 2:03 PM
Heute morgen, Frühstück 1.0, nach Übernachtungsbesuch bei meiner Mutter, mit dem Verwöhnprogramm "Gedeckter Tisch" inklusive dampfenden Kaffees und ZEITUNG:
Im Hamburger Abendblatt hat mich der Leitartikel von Herrn Iken so begeistert, dass ich sogar meine Mutter zum Lesen genötigt habe. Er sprach mir aus dem Herzen. Hier ein Auszug.
Im Hamburger Abendblatt hat mich der Leitartikel von Herrn Iken so begeistert, dass ich sogar meine Mutter zum Lesen genötigt habe. Er sprach mir aus dem Herzen. Hier ein Auszug.
[...] sie alle aber leben ihr Leben so frei, wie es eine moderne Gesellschaft ermöglicht. (...) Einer Umfrage des "Stern" zufolge lässt mehr als 80 Prozent der Deutschen der Besuch des Stellvertreter Christi auf Erden kalt.
Hier beginnt das Problem: Dieses Desinteresse ist nicht modern, es ist armselig. Es zeigt auch, dass die *Gesellschaft zusehends ihre Wurzeln verleugnet*, ja verliert. Unsere gesamte Kultur ist christlich grundiert; unsere Geschichte ist dadurch geprägt [...]
Hier beginnt das Problem: Dieses Desinteresse ist nicht modern, es ist armselig. Es zeigt auch, dass die *Gesellschaft zusehends ihre Wurzeln verleugnet*, ja verliert. Unsere gesamte Kultur ist christlich grundiert; unsere Geschichte ist dadurch geprägt [...]
Matthias Iken schreibt in eloquenten, hier und dort zornig klingenden Worten das, was mich dazu bewogen hat, mir vor einigen Monaten ein silbernes Kreuz zu kaufen. Warum?
Ich bin Agnostikerin. Ich bekenne mich dazu, dass ich keiner Religionsgemeinschaft angehöre. Ich bin vor etwa zehn Jahren aus der Kirche ausgetreten, weil ich den Glauben nicht teilen kann. Davor habe ich meine Kirchensteuer gern gezahlt, weil die Kirchen - wie Herr Iken ja auch betont - viel Sinnvolles für die Solidargemeinschaft leisten. Sie betreiben Kindergärten, Krankenhäuser und Altenheime. Und es wird den Kirchen, auch der katholischen, nicht gerecht, wenn man sie auf ihre Haltungen zu Zölibat, Sexualmoral und Gleichberechtigung reduziert. Und so furchtbar die Missbrauchsvorwürfe auch sind, so unbedingt und nachhaltig diese geklärt werden müssen: auch das ist nicht alles, was die Kirchen ausmacht.
Meinen Austritt fand ich irgendwann richtig, um meinen Zweifel am Glauben zu dokumentieren. (Es war lange nach Einführung des Soli-Zuschlags, um dem Verdacht zu begegnen...) Dennoch besitze ich seit vielen Jahren eine von mir selbst gekaufte Bibel. Und nun seit einigen Monaten auch ein Kruzifix, welches ich relativ häufig und sichtbar trage.
Ich bekenne mich damit zu einer christlich geprägten Wertegemeinschaft. Und ich möchte damit auf eine friedliche, sichtbare Art meinen Wunsch zum Ausdruck bringen, dass diese Gesellschaft erhalten bleibt. Sie soll weder durch Gleichgültigkeit noch Radikalität gefährdet werden.
Wir müssen dafür etwas tun. Dazu gehört meiner Meinung nach auch, dass man den Papst mit Freude empfangen kann. Freude über die Gelegenheit zur Diskussion und zur offenen Auseinandersetzung. Freude aber auch über das Erreichte!
Denn ich glaube ja, dass auch Lesben, Schwule, Transen, die in Berlin demonstriert haben (gesehen in den Abendnachrichten), ihre Haltung überdenken müssten. Natürlich beklagen sie völlig zu recht, dass insbesondere die katholische Kirche ihren Lebensstil diskriminiert. Sie werden nicht anerkannt. Auch Geschiedene und Wiederverheiratete, wie Bundespräsident Wulff - der sich als praktizierender Katholik offenbar wirklich gequält fühlt-, sie alle sollten neben ihren unstrittig berechtigten Forderungen vielleicht überlegen, dass ihre Lebensentscheidungen auch durch die Werte unserer Gesellschaft (zu denen Aufklärung und Toleranz gehören) überhaupt möglich sind. Denn neben aller Schuld, die die Kirchen auf sich geladen haben, gibt es auch Verdienste, oder? Die christliche Wertegemeinschaft ist eine der Wurzeln unserer Freiheit. Geschminkte Männer in Frauenkleidern könnten in vielen Ländern dieser Welt auch heute noch nicht unbehelligt umher gehen. Wieviele Länder gibt es, in denen Homosexuelle nur im Verborgenen und in Angst ihr wahres Leben führen können. Frauen können unverheiratet Kinder bekommen, ohne ermordet und verbrannt zu werden.
Ich bin Agnostikerin. Ich bekenne mich dazu, dass ich keiner Religionsgemeinschaft angehöre. Ich bin vor etwa zehn Jahren aus der Kirche ausgetreten, weil ich den Glauben nicht teilen kann. Davor habe ich meine Kirchensteuer gern gezahlt, weil die Kirchen - wie Herr Iken ja auch betont - viel Sinnvolles für die Solidargemeinschaft leisten. Sie betreiben Kindergärten, Krankenhäuser und Altenheime. Und es wird den Kirchen, auch der katholischen, nicht gerecht, wenn man sie auf ihre Haltungen zu Zölibat, Sexualmoral und Gleichberechtigung reduziert. Und so furchtbar die Missbrauchsvorwürfe auch sind, so unbedingt und nachhaltig diese geklärt werden müssen: auch das ist nicht alles, was die Kirchen ausmacht.
Meinen Austritt fand ich irgendwann richtig, um meinen Zweifel am Glauben zu dokumentieren. (Es war lange nach Einführung des Soli-Zuschlags, um dem Verdacht zu begegnen...) Dennoch besitze ich seit vielen Jahren eine von mir selbst gekaufte Bibel. Und nun seit einigen Monaten auch ein Kruzifix, welches ich relativ häufig und sichtbar trage.
Ich bekenne mich damit zu einer christlich geprägten Wertegemeinschaft. Und ich möchte damit auf eine friedliche, sichtbare Art meinen Wunsch zum Ausdruck bringen, dass diese Gesellschaft erhalten bleibt. Sie soll weder durch Gleichgültigkeit noch Radikalität gefährdet werden.
Wir müssen dafür etwas tun. Dazu gehört meiner Meinung nach auch, dass man den Papst mit Freude empfangen kann. Freude über die Gelegenheit zur Diskussion und zur offenen Auseinandersetzung. Freude aber auch über das Erreichte!
Denn ich glaube ja, dass auch Lesben, Schwule, Transen, die in Berlin demonstriert haben (gesehen in den Abendnachrichten), ihre Haltung überdenken müssten. Natürlich beklagen sie völlig zu recht, dass insbesondere die katholische Kirche ihren Lebensstil diskriminiert. Sie werden nicht anerkannt. Auch Geschiedene und Wiederverheiratete, wie Bundespräsident Wulff - der sich als praktizierender Katholik offenbar wirklich gequält fühlt-, sie alle sollten neben ihren unstrittig berechtigten Forderungen vielleicht überlegen, dass ihre Lebensentscheidungen auch durch die Werte unserer Gesellschaft (zu denen Aufklärung und Toleranz gehören) überhaupt möglich sind. Denn neben aller Schuld, die die Kirchen auf sich geladen haben, gibt es auch Verdienste, oder? Die christliche Wertegemeinschaft ist eine der Wurzeln unserer Freiheit. Geschminkte Männer in Frauenkleidern könnten in vielen Ländern dieser Welt auch heute noch nicht unbehelligt umher gehen. Wieviele Länder gibt es, in denen Homosexuelle nur im Verborgenen und in Angst ihr wahres Leben führen können. Frauen können unverheiratet Kinder bekommen, ohne ermordet und verbrannt zu werden.
Ich sage nicht, dass das genug ist. Aber es ist etwas wert. Und es ist auch in der Auseinandersetzung und im Reiben an den kirchlichen Dogmen entstanden.
Vielleicht habe ich Herrn Iken etwas überinterpretiert, aber ich lese seinen Leitartikel auch als Appell, sich dieser Diskussion um Werte in der Gesellschaft zu stellen. In einer christlich geprägten Gesellschaft sollten die Kirchen in dieser Diskussion eine Rolle spielen und auch wieder eine Reibungsfläche bieten. Es fehlt an Gestaltern (und Gestalterinnen!!), die sich einmischen und unbequem sind. Die der Säkularisierung die Stirn bieten und auch Ungläubigen ein Leitbild bieten können. Das ist die Chance für den Papst, in seinem Heimatland als Sinnstifter zu wirken, zur Diskussion aufzurufen. Deswegen muss übrigens niemand an den Käse mit der unbefleckten Empfängnis glauben. Auseinandersetzung geht im Gegenteil immer besser, wenn man unterschiedliche Dinge "glaubt".
Mal gucken. Er ist ja noch 'n Tag da.
Vielleicht habe ich Herrn Iken etwas überinterpretiert, aber ich lese seinen Leitartikel auch als Appell, sich dieser Diskussion um Werte in der Gesellschaft zu stellen. In einer christlich geprägten Gesellschaft sollten die Kirchen in dieser Diskussion eine Rolle spielen und auch wieder eine Reibungsfläche bieten. Es fehlt an Gestaltern (und Gestalterinnen!!), die sich einmischen und unbequem sind. Die der Säkularisierung die Stirn bieten und auch Ungläubigen ein Leitbild bieten können. Das ist die Chance für den Papst, in seinem Heimatland als Sinnstifter zu wirken, zur Diskussion aufzurufen. Deswegen muss übrigens niemand an den Käse mit der unbefleckten Empfängnis glauben. Auseinandersetzung geht im Gegenteil immer besser, wenn man unterschiedliche Dinge "glaubt".
Mal gucken. Er ist ja noch 'n Tag da.
Warum durfte Ratzi überhaupt 'rein?
Bisher habe ich die Rede noch nicht angesehen, nur in den Abendnachrichten gehört, dass Benedikt XVI. eine eher philosophische Ansprache an die Abgeordneten und an die Demokratie gehalten hat. Entgegen den Erwartungen soll es keine Ansprache an die katholischen Christen gewesen sein. Nun, man kann glauben, was man will :) - aber Ratzinger, "Gottes Stellvertreter auf Erden" wird alles andere sein. Nicht dumm. Er hat den Aufstieg an die Spitze eines einmaligen Machtapparates geschafft, und das wird nicht ohne etwas Grips funktionieren.
Eine Rede, die nur die Gläubigen adressiert, wäre da kurzsichtig gewesen. Stattdessen wird er als vatikanisches Staatsoberhaupt gesprochen haben. - Mutmaßlich hat ihn dieser Status überhaupt erst in den Bundestag gebracht, den ja ausser den Abgeordneten (und Saaldienern) eigentlich niemand betreten darf.
Aber so wie Frau Merkel 2008 als erster fremder Regierungschef vor der Knesset sprechen durfte, gibt es eben auch im Deutschen Bundestag eine Ausnahme...